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Gertrud Christophersen, Regierungsschuldirektorin i.R.,

Malmöweg 21,

21682 Stade

Telefon: 04141 83321

Vortrag beim KreislandFrauenentag am 15.04.2011 im Stadeum / Stade:

„So macht Schule Freude!“

Schule macht Kindern und Jugendlichen Freude, wenn sie

  • · Lehrerinnen und Lehrer haben, bei denen sie gerne und viel lernen, sowohl das, was sie interessiert, aber auch das, was sie halt lernen müssen, weil der Lehrplan es vorsieht
  • · Lehrerinnen und Lehrer haben, die humorvoll, warmherzig, gerecht, ehrlich, offen sind und dabei durchaus auch anspruchsvoll und streng sein können
  • · ihre eigenen Lernfortschritte selbst wahrnehmen oder von ihren Lehrkräften oder Eltern rückgemeldet bekommen
  • · in der Schule Freundinnen, Freunde und Klassenkameraden haben, mit denen sie gerne zusammen sind, weil sie sich mögen, gut verstehen, sich gegenseitig helfen, gemeinsam lachen und natürlich oft auch lästern können
  • · sich insgesamt in der Schule wohlfühlen. Das schließt die Pausen, die Räume und alle weiteren Angebote, die Schulen anbieten, ein.
  • Alle Eltern und Großeltern wünschen sich,
  • dass ihre Kinder und Enkel Schule so erleben.

    Aber es entspricht auch der Wunschvorstellung von Lehrerinnen und Lehrern

    ( jedenfalls denen, die den Titel „Pädagogin/ Pädagoge verdient haben).

    Leider haben nicht alle Kinder Freude an und in der Schule – aus den

    verschiedensten Gründen.

    Und da beginnt es schwierig zu werden mit dem Ratschlag, wie Eltern die Freude

    ihrer Kinder und Enkelkinder an der Schule wecken, fördern und unterstützen

    können.

    Eltern können die Lehrkräfte für ihre Kinder,

    können die Wunschschule nicht aussuchen.

    Aber Eltern können viel dazu beitragen, dass ihre Kinder in der Schule gut

    zurechtkommen, ja auch Freude empfinden.

    Sie können ihre Kinder gut auf die Schule vorbereiten, indem sie ihre

    Kinderstark machen, in jeder Hinsicht.

    Das Starkmachen beginnt lange vor der Einschulung,

    eigentlich gleich nach der Geburt des Kindes.

    Daher wandele ich den Titel auf Ihrer Einladung

    „ So macht Schule Freude!“ ab in folgenden Titel:

    Eltern unterstützen und fördern die Freude ihrer Kinder und Enkelkinder beim Erwerb und Ausbau ihrersozialen, intellektuellen, motorischen und emotionalen Fähigkeiten, damit die Schule Freude macht .

    Meine Ausführungen haben somit folgenden Schwerpunkt:

    Wie können Eltern ihre Kinder so stark machen, dass sie viel Freude in der Schule haben?

    Und wenn es ganz schlimm kommt: Wie können Eltern ihre Kinder stark machen, dass sie Freude am Lernen haben, obwohl sie in der Schule keine Freude haben?

    Aus diesem Grund werde ich unter 7 Aspekten aufzählen,

    was Kinder stark macht und u.a. auch die Grundlagen schafftdafür,

    Freude am Lernen und an und in der Schule zu haben.

    Ich erörtere diese Aspekte immer aus der Sicht von Eltern, nicht aufgrund der Fragestellung:

    Was muss die Schule tun, damit die Schülerinnen und Schüler mit Freude in ihr

    lernen und arbeiten?

    Diese Fragestellung stand ich in meinem Beruf als Lehrerin,

    Schulleiterin und schulfachlicher Dezernentin der Landesschulbehörde im

    Vordergrund.

    Heute referiere ich aus der Sicht der Mutter und mittlerweile auch Großmutter

    – vor dem Hintergrund meiner beruflichen Erfahrungen:

    Wie können Eltern ihre Kinder unterstützen, damit diese Freude

    an und in der Schule haben?

    1.Aspekt:Motivation/ Neugier/ Lernfreude und –willen wecken

    Lernen ist ein elementares menschliches Bedürfnis.

    Jeder Mensch, jedes Kind lernt gerne, will lernen.

    Das kann man besonders gut an Säuglingen und kleinen Kindern beobachten,

    z.B. wenn sie stehen lernen wollen.

    Sie ziehen sich hoch, wo immer sie können. Als Eltern beobachten Sie diesen Willen

    und Sie werden Ihr Kind nicht daran hindern, sondern es unterstützen.

    Sie helfen zu Beginn, stützen es und sorgen für eine sichere Umgebung,

    wenn das Kind bei seinen vielen Versuchen auch immer wieder umfällt oder stürzt.

    Sie nehmen die unbändige Freude wahr, wenn das Kind steht und über sein Können

    strahlt. Sie klatschen, freuen sich mit, loben.

    Und sie unterstützen mit der Zeit immer weniger, weil das Kind von Mal zu Mal

    Fortschritte macht.

    Und Sie erwarten nicht, dass Ihr Kind schon nach wenigen Versuchen alleine stehen kann.

    Sie werden als Eltern übrigens auch nicht darauf bestehen, dass Ihr Kind bereits im Alter von 3 Monaten stehen muss.

    Ein Kind, das in die Schule kommt, möchte Lesen, Schreiben und Rechnen lernen.

    Es freut sich darauf, fängt in der Regel weit vor Schulbeginn an, sich damit zu

    beschäftigen. Es kritzelt und imitiert das Schreiben, es fragt nach Buchstaben,

    beginnt zu zählen.

    Eltern stärken ihr Kind, wenn sie schon im Babyalter beginnen, zusammen mit dem

    Kind Bücher zu begucken und dazu zu erzählen.

    Oft sind es immer wieder dieselben Bücher und immer dieselben Rituale,

    mit denen es beguckt, dazu gesprochen wird.

    Oft sind es später auch Prospekte, Kataloge oder andere Bilder, die die Neugier des

    Kindes wecken.

    Dann ist es genau so wichtig, auf das Interesse des Kindes einzugehen

    statt das gerade ausgezeichnete Bilderbuch zu wählen.

    Das wird dann halt später beguckt.

    Auch beim Lesenlernen interessieren sich oft die Kinder nicht unbedingt für

    das, was in der Fibel steht.

    Robert, der Sohn einer Kollegin hasste „seine blöde Fibel“, sie interessierte ihn

    überhaupt nicht. Hoch interessiert war er jedoch an einem Buch über Pilze, denn er

    hatte mit seinem Papa Pilze gesammelt und wollte alle diese schwierigen Namen der

    Pilze kennen.

    Meine Kollegin hat ihm die Grundlagen des Lesens anhand des Pilzebuches

    vermittelt.

    Robert hatte zum Glück eine Pädagogin zur Lehrerin, die diese Anregung aufgriff.

    Robert hat sich selbst ein Ziel gesteckt, seine Eltern haben ihn dabei unterstützt, es

    zu erreichen, denn „das einzige Ziel, gegen das der Mensch sich nicht wehrt, ist sein

    eigenes.“ ( Zitat von Sprenger).

    Mit dem Interesse der Kinder an Zahlen, überhaupt an allen Vorgängen in ihrer

    kindlichen Umwelt verhält es sich genauso.

    Deshalb sollen Eltern genau hinsehen und –hören, was das Kind lernen möchte und

    es dabei unterstützen. Wie – erfahren Sie unter den weiteren Aspekten.

    2. Aspekt:Kinder / Menschen brauchen Könnenserfahrungen

    Eltern sollten immer zuerst dassehen und rückmelden, was ein Kind kann,

    nicht das, was es noch nicht kann.

    Beim Kleinkind, das Stehen lernen will, loben Eltern das erste noch so wackelige und

    kurze Aufrechtstehen und erwarten nicht, dass das Kind gleich freihändig sicher

    steht.

    Die Eltern freuen sich über jeden noch so kleinen Fortschritt, wissen sie doch,

    wie mühsam und vielschrittig das Stehen erlernt wird.

    Diesen Stärken-Entdecker-Blick sollten Eltern bei ihren größer werdenden Kindern

    beibehalten und den defizitären Blick ausblenden.

    Wie machen Kinder Könnenserfahrungen?

    Ein Leitsatz der bekannten Pädagogin Maria Montessori lautet: „ Hilf‘ mir, es selbst

    zu tun!“

    Wann immer möglich schaffen Eltern einen Rahmen, der es ihrem Kind ermöglicht,

    etwas alleine zu machen:

    Ich wähle wieder ein Beispiel aus der Kleinkindzeit:

    Schon früh möchten Kinder alleine essen. Also bekommt das Kind ein Lätzchen um,

    unter seinen Stuhl kommt gegebenenfalls eine Folie, es erhält einen kleinen Löffel

    und einen Teller zunächst aus Plastik.

    Natürlich trifft das Kind nicht immer gleich den Mund, natürlich fällt viel daneben.

    Aber von Mal zu Mal wird das Kind sicherer und kann bald sehr gut alleine essen.

    Das Kind freut sich und Sie als Eltern auch.

    Waschmaschinen machen ja Gott-sei-Dank den erhöhten Waschbedarf erträglich.

    Und ein weiterer wichtiger Aspekt ist der, dass das Kind mit seinen Eltern und

    Geschwistern am Tisch sitzt und Gemeinschaft erlebt und erlernt.

    Je mehr ein Kind sein Können erlebt und begreift

    - beim Essen,

    - bei Bewegungen ( Rad fahren , schwimmen),

    - beim Alleine sein,

    - beim ersten Einkauf ohne Eltern und, und, und,

    desto stärker wird es in seinem Selbstbewusstsein und in seiner Ich-Stärke.

    Eltern sollen das selbständige Lernen immer unterstützen, da es für das Kind zu

    einem erhöhten Interesse an der Sache führt und gleichzeitig auch zu einer größeren

    Verarbeitungstiefe und zum besseren Behalten des Erlernten.

    Zum Lernen gehört das Üben, das den Meister macht!

    Lernen bedarf wiederholender Handlungen, damit es gelingt und das Gehirn

    eigenständig bedeutsame Regeln ableiten kann.

    Auch das beobachten wir beim Kleinkind, das unendlich viele Male denselben

    Vorgang wiederholt.

    Schulkinder, selbst wir Erwachsene benötigen Übung.

    90 % der Erwachsenenaktivitäten sind Routine, geübte Tätigkeiten.

    Diese Routine erwirbt ein Kind nur durch viel und vielfältiges Üben.

    Wichtig ist, wie wir lernen:

    Wir behalten 10 % von dem,

    was wir hören oder lesen,

    aber 90% von dem, was wir tun.

    Daher sollen Kinder ausprobieren, anfassen, betasten, riechen, fühlen, lauschen.

    Es nützt oft wenig, Kindern nur mit Worten etwas zu erklären.

    Je mehr Sinne (sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen, tasten) beim Lernen

    beteiligt sind, desto nachhaltiger lernen wir.

    Anerkennung und Wertschätzung fördern positive Gefühle.

    Aber beides muss authentisch und an der Sache orientiert sein. Ein nicht ernst

    gemeintes Lob durchschauen Kinder.

    Genau so wenig wirksam ist zu viel Lob, bei dem das Kind gar nicht mehr hinhört.

    3. Ein Kind braucht Wurzeln und Flügel

    Ich zitiere Goethe: „ Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln

    und Flügel. Wurzeln um zu wissen, wo sie herkommen, und Flügel, um die Welt zu

    erkunden.“

    Dieses Zitat zur Erziehung zwischen Bindung und Autonomie werde ich erläutern:

    Ein Kind braucht Sicherheit und Unterstützung in seinen Grundbedürfnissen,

    und es braucht Geborgenheit.

    Erst wenn die Grundbedürfnisse gestillt sind, wird das Kind frei für neue Aufgaben.

    Es ist dann gut gerüstet, verwurzelt.

    Eltern stecken den Rahmen, in dem das Kind sich bewegt und seine Erfahrungen

    macht, je nach Alter und Können des Kindes.

    Es ist heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr, dass ein Kind seine

    Grundbedürfnisse stillen kann:

    Dass es ausreichend schläft, gesund ernährt wird, sich genügend bewegt, sich in

    eine Gruppe einfügen und dort sicher agieren kann.

    Dass es Grenzen aufgezeigt bekommt, die ihm einen sicheren Rahmen geben vor

    unguten Einflüssen , aber auch vor ständigen Grenzüberschreitungen schützen.

    Das Lernen können Eltern dem Kind aber nicht abnehmen.

    So lernt es beispielsweise, dass etwas scharf ist, nur dann ,

    wenn es auch mit Messer und Schere hantieren darf.

    Es lernt nur den richtigen Gebrauch von Messer und Gabel,

    wenn es auch selbst damit essen darf.

    Eltern trauen ihren Kindern das zu.

    Das spüren Kinder.

    Und ein kleiner Schnitt und ein bisschen Blut schaden nicht

    und führen zum richtigen und nachhaltigen Lernerfolg.

    Eltern geben den Kindern ja nicht gleich das ganz scharfe Fleischmesser.

    Eltern sollten Zeit für ihre Kinder haben.

    Nur so beobachten und erfahren sie, was die Kinder bewegt, was sie schon können,

    was sie sich wünschen, wo sie Unterstützung benötigen.

    Fehlende Zuwendung und Unterstützung führt zu mangelnder Ausbildung

    intellektueller, emotionaler und sozialer Fähigkeiten.

    Ungenügende Förderung liegt aber auch dann vor, wenn ein Kind zu sehr verwöhnt

    wird und die Eltern ihm alles abnehmen.

    Eltern sorgen dafür, dass ihre Kinder Zeit haben

    – zum Spielen, Träumen, selbstbestimmten Aussuchen dessen, was sie gerne

    machen wollen.

    Dann läuft kein Fernseher, die Kinder werden dabei nicht gestört.

    Eltern sind Vorbilder für die Kinder.

    Nicht das, was Eltern wortreich von ihren Kindern fordern, sondern das, was sie

    tagtäglich vorleben, prägt die Kinder.

    Sehe ich als Mutter sehr viel fern, wird auch mein Kind viel fernsehen.

    Finde ich als Eltern gemeinsame Mahlzeiten nicht wichtig, wird auch mein Kind es

    nicht tun, lernt es überhaupt nicht.

    Vorsingen, - sprechen, -lesen - grenzenlos und voller Freude sind mit die

    besten Starkmacher unserer Kinder!

    Aber Kinder brauchen auch Flügel, die Möglichkeiten und Freiräume,

    eigene Lernerfahrungen machen zu können.

    Das habe ich bereits unter der Überschrift „Könnenserfahrungen“ erläutert.

    Eltern müssen loslassen können, wenn Kinder eigene Wege beschreiten.

    Sie sollten ihren Kindern etwas zutrauen und Vertrauen in deren Können haben.

    4.Anstrengungsbereitschaft und Frustrationstoleranz fördern

    Um die in der Schule und im Leben so wichtige Anstrengungsbereitschaft bei den

    Kindern auszubauen sind einige Grundsätze zu beachten:

    Aus Fehlern wird man klug!

    Diese Weisheit muss im Umgang mit Kindern gelebt werden. Fehler machen ist

    erlaubt beim Lernen, ist sogar oft ein wichtiger Meilenstein im Lernprozess.

    Das bedeutet im Alltag:

    Ich schimpfe als Mutter nicht mit meinem Kind, wenn es einen Fehler macht,

    geschweige denn erkläre ich das Kind zum Dummkopf,

    sondern überlege mit dem Kind, wie es zu dem Fehler kommen konnte

    und was anders gedacht oder gemacht werden muss.

    Für eine gute Fehlerkultur ist ein Klima ohne Häme, Spott und Angst nötig.

    Auch Eltern steht es gut an, Fehler einzugestehen.

    Diese Grundeinstellung hilft, dass die Kinder lernen, mit Frustrationen umzugehen.

    Denn auch in der Schule müssen sie diese Fähigkeit beherrschen, wenn sie z.B.

    einen neuen Lernstoff nicht so schnell begreifen wie eine Mitschülerin oder ein

    Mitschüler. Dann dürfen sie nicht resignieren, sondern müssen weitermachen.

    Weiterhin ist die Förderung der Konzentration eine elementare Grundlage:

    Eltern sollten ihre Kinder vor zu viel Ablenkung abschirmen

    ( Fernsehen und Computerspiele dosieren),

    ihnen ausreichend Zeit geben,

    Ruhe schaffen und die geforderten Aufgaben gut dosieren.

    Der Fernseher ist im Übrigen der größte Zeitdieb für die Kinder, egal ob die Sendung

    gut oder schlecht ist.

    Gehen Sie auch hier mit gutem Beispiel voran!

    Sehen Sie als Eltern gezielt fern und nicht immer und grenzenlos,

    ist es schon fast eine Gesetzmäßigkeit, dass Ihr Kind sich auch so verhält.

    Und Sie bestehen auf festen Abmachungen beim Fernsehkonsum Ihres Kindes.

    Kinder müssen lernen, dass sie Regeln akzeptieren und einhalten müssen.

    Das schließt ein, dass in kein Kinderzimmer ein eigenes Fernsehgerät gehört.

    So vermeiden Sie Blockaden und Barrieren beim Lernen.

    Zur Frustrationstoleranz gehört auch, dass das Kind lernen muss,

    Konflikte auszuhalten und auszutragen.

    Das erlernt es nicht erst kurz vor Schuleintritt,

    sondern während der gesamten Kindheit.

    5.Gemeinschaft ermöglichen und erlernen

    In der Schule lernt und lebt Ihr Kind immer in der Gemeinschaft.

    Darauf muss es vorbereitet werden.

    Sonst bekommt es große Probleme, die auch sein Lernen beeinträchtigen.

    Das Kind muss als soziales Wesen seine Rechte, aber auch seine Pflichten in der

    Gemeinschaft kennen, anerkennen und ausüben.

    Die 1. soziale Gemeinschaft ist für das Kind die Familie.

    Durch den Schwund der Großfamilien werden die Familien immer kleiner,

    viele Lerngelegenheit im Umgang mit verschiedensten Menschen entfallen.

    Daher lernen Kinder heute anders als die vorherigen Generationen,

    neben der Familie werden andere soziale Einrichtungen wichtiger.

    Dennoch bietet auch die Kleinfamilie ausreichend Gelegenheit, Gemeinschaft zu

    lernen.

    Sie müssen Sie nutzen.

    Das Kind lernt die Regeln, die in der Familie gelten, die Rituale, Abmachungen.

    Als Beispiel von vielen nenne ich:

    Regeln, die z.B. bei den gemeinsamen Mahlzeiten gelten:

    Die ganze Familie isst gemeinsam am Tisch, es gibt klare Abmachungen, wie

    gegessen wird, wie man Speisen weiterreicht, dass gemeinsam mit dem Essen

    begonnen wird, dass alle am Tisch bleiben, bis alle aufgegessen haben usw.

    Schon das Kleinkind gehört mit an den Esstisch,

    ein Schulkind erst recht.

    Das Kind erlebt die Runde als Ritual, das ihm Geborgenheit und Sicherheit gibt.

    Es lernt aber auch, dass es die Regeln einhalten muss, auch nicht früher aufsteht

    oder mit Absicht am Tisch herumferkelt .

    Dann schreiten Sie als Eltern ein und beharren auf den Abmachungen.

    In der Familie lernt das Kind, Dinge zu teilen und Absprachen zu treffen,

    die einzuhalten sind.

    Es lernt, dass Streit zu einer Gemeinschaft gehört, den man aber mit Worten

    austragen kann.

    Das Kind lernt neben seinen Rechten in der familiären Gemeinschaft auch seine Pflichten.

    So ist es gut, wenn Kinder schon von klein auf lernen, in der Familie festgelegte

    Pflichten zu übernehmen.

    Sie bekommen Verantwortung übertragen und werden dadurch stark.

    Und bei Verweigerungen bestehen Eltern auf Erledigung der Absprachen.

    Auch das wird trainiert und stärkt die Frustrationstoleranz gegenüber lustlosen

    Tätigkeiten.

    Sehr viele Probleme bekommt ein Kind in der Schule, wenn es nicht

    gemeinschaftsfähig ist, sich verhält wie eine kleine Prinzessin, ein kleiner Prinz

    nach dem Motto :“ Erst komme ich, dann komme ich noch einmal, und dann kommt

    ihr anderen noch lange nicht!“.

    Diese Kinder haben richtige Probleme mit den Schulkameraden, aber oft auch beim

    Lernen, weil sie sich nicht einordnen und dadurch nicht ausreichend auf die Sache

    konzentrieren können.

    Die Erziehung des Kindes zu einem sozialen Menschen, der in der Gemeinschaft

    seine Rechte, aber seine Pflichten kennt, wahrnimmt und einhält

    ist eine Schlüsselqualifikation für schulischen Erfolg, also auch Freude in der Schule.

    6.Angstfreiheit

    Beim Lernen sollte eine Atmosphäre der Entspannung, des Wohlempfindens und der

    Vertrautheit vorherrschen. So werden mit dem Lernen positive Gefühle verknüpft.

    Angst verengt und führt zu Blockaden, Lernen wird nicht möglich.

    D.h. vermeiden Sie Leistungsdruck beim Lernen und drohen Sie Ihrem Kind nicht.

    Drohen Sie auf keinen Fall Ihrem Kind mit der Schule:

    „Warte ab, bis Du in die Schule kommst!“

    Schützen Sie sich als Eltern auch selbst vor der eigenen Angst, wenn Ihr Kind in der

    Schule nicht die Leistungen bringt, die Sie sich erhoffen, und Sie vor diesem Hintergrund befürchten, es schafft die Schule nicht und hat keine Zukunftschancen.

    Manche Kinder brauchen länger oder machen halt kein Abitur.

    Erstens bietet unsere Schullandschaft alle Möglichkeiten des Erreichens weiterer Schulabschlüsse nach der Haupt- oder Realschule,

    und zweitens verfahren Sie nach dem Grundsatz der Könnenserfahrungen, um einen starken Menschen zu erziehen, der u.a. mit Ihrer Unterstützung seinen Weg macht.

    7.Austausch und Kontakt mit der Schule

    Pflegen Sie den regelmäßigen Austausch und Kontakt mit der Schule.

    Besuchen Sie die Elternabende und Sprechtage.

    Lassen Sie sich in Ruhe schildern, wie Lehrkräfte Ihre Kinder wahrnehmen.

    Hören Sie bis zu Ende zu, bevor Sie aufbrausen.

    Halten Sie Rücksprache mit Ihrem Kind, wenn es zu Vorwürfen gekommen ist.

    Und mischen Sie sich ein, wenn Sie nach gründlicher Überlegung der Meinung sind,

    dass Ihr Kind nicht richtig beurteilt wird.

    Vermeiden Sie die Gespräche zwischen Tür und Angel, wenn Sie ein Problem

    haben und mal eben so ganz schnell die Lehrerin oder den Lehrer Ihres Kindes vor

    der Klassen- oder Schultür abpassen und Ihr Problem vortragen.

    Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass diese Gespräche immer zu mehr Problemen

    führen als diese aus der Welt zu schaffen.

    Denn die Lehrkräfte haben in diesen Situationen gar keine Zeit und auch den Kopf

    nicht frei, um sich Ihrem Problem zu widmen.

    Sie als Eltern aber fühlen sich nicht ernst genommen und sozusagen abserviert.

    Und das erbost Sie verständlicherweise.

    Zur Basis guter Zusammenarbeit gehören besonders bei Problemen

    Gespräche, die ohne Zeitdruck geführt werden.

    Im Übrigen macht auch kein Arzt in der offenen Tür seiner Praxis eine Beratung,

    während ein weiterer Patient bereits wartet.

    Arbeiten Sie aktiv in der Schule mit, als Elternvertreterinnen oder als Lesemutter

    oder Mitarbeiterin im A.G.-Bereich. Es gibt viele Möglichkeiten.

    Machen Sie der Schule deutlich, dass Sie gerne mitarbeiten,

    aber nicht nur beim Kuchenbacken und beim Aufräumen, sondern auch bei der

    Mitbestimmung über grundsätzliche Angelegenheiten und bei der Gestaltung der

    Schule.

    Ich komme zum Ende und zur Zusammenfassung meines Vortrages.

    Am Beispiel „Verführung zum Lesen“ möchte ich kurz zusammenfassen,

    wie Sie dazu beitragen können,

    dass Ihr Kind mit Freude liest.

    Das wird es dann auch in der Schule mit Freude tun:

    - Fangen Sie früh an, den Kindern vorzulesen!

    - Nehmen Sie sich die Zeit und genießen Sie es, mit Ihren Kindern zusammen Bücher zu begucken und vorzulesen!

    - Machen Sie es sich dabei so richtig gemütlich!

    - Sie vermitteln dadurch Freude, Geborgenheit und positive Gefühle, die das Kind wahrnimmt und die es prägen.

    - Lassen Sie sich bei der Auswahl von den Interessen Ihres Kindes leiten.

    - Bieten Sie dem Kind jedoch auch immer wieder Neues an.

    - Buchhändler und Büchereien geben gute Tipps für gute Bücher.

    - Lesen Sie besonders auch die Bücher vor, die Ihnen gefallen. Die Freude überträgt sich.

    - Jungen lesen andere Dinge als Mädchen, sind eher an Sachbüchern interessiert.

    - Beobachten Sie daher gut und beteiligen Sie die Kinder bei der Auswahl.

    - Wundern Sie sich nicht, wenn Sie ein Buch x-mal betrachten oder vorlesen müssen.

    - Fragt Ihr Kind nach Buchstaben, antworten Sie. Das ist ein a, ein m ( Lautieren Sie dabei).

    - Will Ihr Kind ein Wort lesen lernen, helfen Sie dabei.

    - Sagen Sie nicht: Das lernst Du erst in der Schule!

    - Lesen lernt man nicht an einem Tag. Das ist ein komplizierter Prozess, der viel Zeit und viel Übung benötigt.

    - Teilen Sie diese Erkenntnis auch Ihrem Kind mit.

    - Nehmen Sie die Lernfortschritte Ihres Kindes wahr.

    - Sehen Sie genau hin, wenn Probleme auftauchen.

    - Bleiben Sie geduldig und finden Sie heraus, wo das Problem liegt: Hört mein Kind richtig? Verwechselt es Buchstaben?

    - Fragen Sie bei der Lehrkraft in einem ruhigen Gespräch ohne Zeitdruck nach, wie Sie Ihr Kind unterstützen können.

    - Setzen Sie Ihr Kind nicht unter Druck: Das lernst Du nie mehr, alle anderen Kinder können schon lesen, nur Du nicht!

    - Vermitteln Sie Ihre eigene Lesefreude. Wenn Ihr Kind Sie nie mit einem Buch sieht, hat es kein Vorbild.

    - Lesen ist jedoch eine Schlüsselqualifikation!

    - Die Freude am Lesen beginnt in der Familie, die kann die Schule nicht zerstören.

    - Aber Sie haben Ihr Kind stark gemacht,

    wenn es mit dem Lesen gute Gefühle verbindet,

    wenn es zum Lesenlernen oder weiteren Lesen motiviert ist,

    wenn es selbstbewusst, selbstbestimmt und selbständig mit Texten umgeht.